Ein riesiger Posaunenchor musiziert über alle regionalen und konfessionellen Grenzen hinweg. Das war das erklärte Ziel eines tollen Projekts, an dem ich als Posaunist am vergangenen Wochenende mitwirken durfte. Ein digitaler Posaunenchor, der grenzenlos erweitert werden kann, der angehalten, vor- oder zurückgespult und jederzeit wiederholt werden kann. Wie das?
Als einer meiner Brüder mir von diesem Vorhaben erzählte, dachte ich zuerst: wieder eins von diesen Streamingkonzerten, die wie digitale Pilze aus allen Speicherplätzen schießen. Aber was tut man nicht alles für die Familie im Auftrag der Musik. Und so sagte ich: „Yep, ich bin dabei.“
Heute, ein paar Tage nach unserem Livestream am 21. März, bin ich um eine Erfahrung reicher. Ja, Musik im Livestream mit einem bewusst für dieses Medium ausgeklügelten Konzept kann wirklich Spaß machen und eröffnet tatsächlich neue Möglichkeiten. Das uns bekannte „normale“ Livekonzert kann dies zwar nicht ersetzen. Das muss ein Livestreamevent aber auch nicht, wenn es ein ganz anderes und eigenständiges Ziel verfolgt. Nun fragen Sie vermutlich: Was ist denn an diesem Sonntag eigentlich passiert?
Beim YouTuba-Projekt haben wir mit einem Ensemble der Familie – mit den „Brassbrothers“ – ein Konzert live gestreamt, bei dem andere Blechbläser von zuhause aus direkt mitspielen konnten.
Auf unseren Pulten stand das Bläserheft „Zeichen deiner Nähe“ des CVJM-Westbund. Wer mitwirken wollte, konnte das Notenmaterial vorab über eine eigens eingerichtete Landingpage runtergeladen. An Technik benötigten die übers Internet verbundenen Mitmusiker nichts weiter als Laptop, Handy oder Tablet oder im besten Fall einen „smarten“ Fernseher mit YouTube-Zugang, um den vollen Genuss der Klangbreite auskosten zu können. Sein eigenes Instrument, Notenständer, etwas Ansatz und unbändige Freude an der Musik waren das, was zählte, und schon konnte es losgehen. Aber schauen Sie selbst:
Mein Fazit: Vielleicht haben Sie es am Lächeln in unseren Gesichtern gesehen – das gemeinsame Musizieren hat in diesem Format wirklich viel Freude bereitet. Und nach zwei Tagen standen schon über 1.600 Mitspieler oder Zuhörer und unzählige Rückmeldungen per E-Mail zu Buche. Ein klasse Ergebnis, das zeigt, dass es durchaus Formate gibt, die in diesen Zeiten musikalischen „Mehrwert“ bieten können!
Natürlich können selbst Livestreams dieser Art ein echtes Konzert mit Publikum niemals ersetzen. Dafür fehlt die direkte Interaktion mit den Zuhörern im Moment des Geschehens. Aus Künstlersicht bleibt bei Streamingkonzerten deswegen oftmals ein angeschmorter digitaler Nachgeschmack, wenn einfach nur das herkömmliche Konzert abgefilmt und ins Internet übertragen wird.
Ein Konzert mit einem auf die neuen Medien abgestimmten Konzept kann allerdings durchaus seinen Reiz haben und Menschen begeistern – auf der Bühne und auch an den Bildschirmen und Soundboxen.
Einer der Brassbrothers
alias Wolfgang Meyer
BrassBrothers
Rüdiger Meyer, Trp.
Gottfried „Goffy“ Meyer, Trp., Flh.
Wolfgang Meyer, Pos.
Eckhard Meyer, Pos.
Shawn Grocott, Pos.
Tom Görg, Trp.
Vier genetische Brüder plus zwei Brüder im Blech, die sich gerade auch in der Corona Krise mit schöner Musik in bester Posaunenchortradition beschäftigen.
Videostreaming: Tobias Jacobs, blaeserstudio.de
Kamera/Licht: Hans Harting
Orgel: Michael Schmidt
Ort: Martin Luther Kirche, Detmold